Man hört sich mal mehr und mal weniger gerne die Geschichten der Eltern und Großeltern an, die ja noch „ganz ohne Handy und Computer Freunde getroffen haben und Partner gefunden haben“. Heute habe man es einfacher entgegnet manch Jugendlicher darauf. Doch wie ist das bei politischer Partnersuche? Der Römer zeigt es uns. Versuchen wir mal ein kleines Gedankenspiel. Der 6. März ist rum, alle Stimmen ausgezählt. 15 Listen haben mit mindestens einer Person den Einzug in die Stadtverordnetenversammlung geschafft. Wie nach jeder Wahl muss eine Regierung gebildet werden. Das wird aufgrund der Ergebnisse aber schwierig. Es gibt keine Mehrheit für das alte Regierungsbündnis, keine Mehrheit für ein Zweierbündnis und auch keine Mehrheit für ein linkes oder ein bürgerliches Bündnis. Also geht man auf Partnersuche. Zwei Parteien haben die gleiche Anzahl an Sitzen und sind gesetzt. Wie sucht man jetzt den richtigen Partner? Man kommt auf das Onlinedating. „Großstadtpartei mit christlichen Wurzeln sucht Partner für gemeinsame Jahre auf der Regierungsbank“, so oder so ähnlich bietet sich „Schwarzer Mainbürger“ an. Klickt man dann auf das Profil erfährt man folgendes: „Jahrelange Erfahrung im Regieren. Nicht unerfahren mit verschiedenen Partnern zusammen zu sein, offen für neue Modelle, in den letzten Jahren deutlich abgenommen, attraktiv für Partner aus der alternativen, aber auch aus der bürgerlichen Ecke“. Darauf meldet sich „Rote Frankfurterin“, auf deren Profil man lesen kann „Ehemalige Regierungspartei sucht Weg zurück in den Magistrat“. Die „Rote Frankfurterin“ sei „offen für jeden, sehr gesprächig, fest in der Überzeugung, welche Geräte man in einer Partnerschaft nutzen möchte, habe aber nach vielen fetten Jahren stark an Gewicht verloren“. Der eine klickt den anderen an, man chattet ein wenig miteinander, merkt dass man sich gar nicht so fremd ist, wie man es erst dachte und stellt fest, wir versuchen es miteinander. „Alle fünf Jahre verlieben sich zwei suchende Parteien“, wirbt mittlerweile das Datingportal und die beiden Partner, die sich zusammen gefunden haben, stellen fest, zu zweit reicht es nicht. Also machen sich beide auf die Suche nach einem dritten Partner. Gleich zwei potentielle Partner scheinen attraktiv. „Grüne Großstadt“, die „gefallen, aber nicht gestürzt ist und gerne die Bank mit zwei Partnern teilen würde, dabei aber nicht zu klein daherkommen mag“ und „Gelber Überholer“, der „nach fünf Jahren harten Trainings, neue Stärke hat und bereit ist, dort unter die Arme zu greifen, wo es nötig wird“. Da sowohl „Schwarzer Mainbürger“, als auch „Rote Frankfurterin“ sich noch unschlüssig sind, chatten sie erst einmal mit beiden. Ein paar Bildchen werden verschickt, damit es nicht ganz so anonym ist und nach einem kleinen Witzchen hier und einer netten Unterhaltung dort, merkt man sofort, es ginge mit beiden gut. Das politische Onlinedating, basierend auf Algorithmen, namens Wahlprogrammen scheint tatsächlich zu funktionieren. Schöne neue Welt.

Wenn es doch nur so einfach wäre. Natürlich gibt es kein Onlinedating für die Suche nach Koalitionspartnern und natürlich wird es nach dieser Wahl mit diesen vielen Einzelgruppierungen und unklaren Mehrheitsverhältnissen deutlich schwieriger eine funktionierende Stadtregierung aufzustellen. Eines muss man jedoch lobend erwähnen, es geht zurzeit – zumindest medial – nicht um großes Postengeschacher. Natürlich wird hier und dort einmal spekuliert, wer welches Dezernat übernehmen könnte und auch wer möglicherweise nicht mehr dem hauptamtlichen Magistrat angehören könnte, aber die Inhalte und die Ausrichtung für die kommenden fünf Jahre scheinen doch zu überwiegen. Das ist gut so, denn bei 39 Prozent Wahlbeteiligung und einer großen Politikverdrossenheit, dazu auch noch bei einer Überlagerung kommunalpolitischer Themen, durch Bundespolitik, ist es umso wichtiger, dass die Parteien nun sachlich und stets auf das Wohl der Frankfurter Bürgerinnen und Bürger bedacht miteinander sprechen und verhandeln.

Klar ist, es wird ein Dreierbündnis. Entweder Schwarz-Rot-Grün, also eine Koalition, aus zwei Parteien, die in den vergangenen Jahren schon miteinander regierten und einer Partei, die den Oberbürgermeister stellt. Oder aber Schwarz-Rot-Gelb, einer Koalition, aus zwei Parteien, die zuletzt in der Opposition saßen und einer Partei, die bereits an der Regierung war. Es gibt für beides ein Für und ein Wider aus Sicht der Verhandlungspartner. Zurzeit gehen viele Beobachter davon aus, dass Schwarz-Rot-Grün am Ende das Rennen machen könnte. SPD und Grüne sind traditionell nahe beieinander, CDU und Grüne haben gute Erfahrungen miteinander gemacht, man versteht sich auf höchster Ebene und CDU und SPD sind in unklaren Zeiten immer darauf bedacht zusammen zu arbeiten. Für die FDP als Partner spräche sicherlich die grundsätzliche Verbindung zwischen CDU und FDP als Teil eines „bürgerlichen Lagers“ und sicher auch, dass die SPD noch zögert, ob es richtig wäre Schwarz-Grün quasi zu stützen oder ob es nicht doch besser wäre, mit einer weiteren (dann) ehemaligen Oppositionspartei eine Art Neuanfang in der Stadtregierung zu starten. Meine Prognose ist, am Ende kommt es dann doch darauf an, wer welche Kompromisse eingeht, vor allem wenn es um die Dezernatszuschnitte geht. Inhaltlich müssen alle Parteien Abstriche machen, das ist in einem Koalitionsvertrag immer der Fall. Absolute Mehrheiten sind nun einmal eher selten geworden.

Man darf gespannt sein, wer am Ende die Stadtregierung stellen wird. Man darf gespannt sein, wie der Koalitionsvertrag aussehen wird und man darf auf die kommenden fünf Jahre gespannt sein, in einem Stadtparlament, das noch nie so viele Gruppierungen und Parteien beherbergte wie ab sofort. Wie viele Fraktionen sich bilden, auflösen, neu bilden und wie viele Übertritte und Austritte es geben wird, wird die Zeit zeigen. Eines wird aber wohl klar sein, langweilig wird es im Römer auch in den kommenden fünf Jahren nicht und falls doch, kann der ein oder andere ja doch das politische Onlinedating ausprobieren.

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