Am 05.12. feiern wir den Tag des Ehrenamts. Dies war gestern der Fall. Es ist richtig und wichtig, das Ehrenamt zu feiern, aber sollte dies nicht jeden Tag der Fall sein? Man las es gestern allenthalben: „Tag des Ehrenamts – Wir danken allen, die sich ehrenamtlich engagieren.“ Dies ist absolut richtig, man sollte den vielen ehrenamtlich tätigen Menschen in unserem Land danken, denn ohne sie könnte unsere Gesellschaft gar nicht funktionieren. Aber benötigen wir hierfür wirklich einen eigenen Tag? Klar, es gibt für viele Dinge, Momente und Gruppen Tage im Jahr. Beim Ehrenamt jedoch ist dies anders. Jeder Tag im Jahr ist Tag des Ehrenamts. An jedem Tag findet irgendwo in der Republik ein Sporttraining statt, dass von einem ehrenamtlichen Übungsleiter abgehalten wird. An jedem Tag im Jahr sind freiwillige Feuerwehrleute für unsere Sicherheit und unseren Schutz unterwegs. Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes, des Arbeiter Samariter Bundes, der Malteser befinden sich tagtäglich im Einsatz zu unserem Wohle. Kirchengemeinden könnten ohne Ehrenamtler überhaupt nicht funktionieren. Man stelle sich einmal eines der vielen Dorffeste oder eine Kerb in den Frankfurter Stadtteilen ohne das Ehrenamt vor, schlichtweg unmöglich.

Das Ehrenamt ist sowohl die Herzkammer als auch die Seele unserer Gesellschaft, unseres Landes. Man darf nicht vergessen, dass es höchstwahrscheinlich nicht einen deutschen Fußballnationalspieler gibt, der nicht am Anfang seines Fußballerlebens von einem ehrenamtlichen Trainer trainiert wurde. Kein Heimatverein, kein Gesangsverein könnte existieren, gäb es nicht die vielen umtriebigen Menschen, die den ganzen Tag arbeiten, um abends zu Versammlungen, Übungsstunden oder Organisationstreffen zu gehen. Das Wochenende steht dann sowieso meist im Zeichen des Ehrenamts, oftmals lässt man dann sogar die Familie zuhause, um sich um sein Ehrenamt zu kümmern, sofern diese nicht ohnehin komplett involviert ist.

Nein, ohne das Ehrenamt würde unsere Gesellschaft auseinander brechen und das gibt unweigerlich auch für die Politik. Entgegen vieler Unkenrufe ist nur ein Bruchteil der Menschen, die im politischen Betrieb tätig sind, auch hauptamtlich dort tätig. Die überwältigende Mehrheit der Parteimitglieder sind Ehrenamtler. Parteiarbeit, vom Ortsverband bis zum Bundesvorstand sind bis auf wenige Ausnahmen ehrenamtliche Tätigkeiten. Die Kommunalpolitik fußt auf der Arbeit von ehrenamtlich engagierten Menschen. Nur die Magistratsspitze ist hauptamtlich tätig. Der Ortsbeirat, der Stadtverordnete und ein Großteil der Magisträte sind Ehrenamtler. Das vergisst man leicht, wenn man einmal wieder gegen „DIE Politik“ spricht.

Es ist keine Frage, dass man dem Ehrenamt an sich und den vielen ehrenamtlich tätigen, ob in der freiwilligen Feuerwehr oder dem THW, ob im Sport- oder dem Gesangsverein oder in den Kirchengemeinden, danken muss. Aber man sollte dies nicht nur an einem Tag im Jahr machen. Man muss sich immer bewusst sein, jeder Tag im Jahr ist ein Tag des Ehrenamts.

Nehmen wir einmal die Feuerwehr als möglicherweise das klassische Ehrenamt in Deutschland. Es gibt 998.682 freiwillige Feuerwehrleute organisiert in 22.634 Wehren (Stand 2014). Dem entgegen stehen 30.795 Berufsfeuerwehrleute in 105 Wehren. Es ist also eindeutig so, dass die Mehrzahl der Brände in Deutschland von einem freiwilligen Feuerwehrmann gelöscht werden. Dies ist einfach beeindruckend und zeigt, dass viele Menschen in unserem Land sogar bereit sind ihr Leben für uns alle zu riskieren, damit es jedem einzelnen von uns gut geht.

Ich freue mich über jede Ehre, die dem Ehrenamt zuteil wird und feiere gern mit, wenn man sich bei den Millionen von ehrenamtlich tätigen Menschen in unserem Land bedankt. Persönlich aber tue ich dies jeden Tag und benötige keinen speziellen Tag hierfür. Wer am Ehrenamt sägt, wer dieses so wichtige Gut untergräbt, der schadet der Existenz unserer Gesellschaft. Das ist ein Stück Leitkultur in Deutschland, über das zu wenig gesprochen wird.

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