Frankfurt ist eine wachsende Stadt. Immer mehr Bürger wollen Teil der pulsierenden Metropole am Main werden und das ist auch verständlich. Doch wo sollen sie wohnen? Wo findet man noch Wohnungen in Zukunft? Die Stadt hat nun Vorschläge präsentiert. Das Stadtplanungsamt hat in dieser Woche eine interessante Liste von rund 200 Flächen und Gebieten präsentiert, auf denen man mehr oder weniger viel Wohnraum schaffen könnte, sofern dies gewünscht oder erforderlich wäre. Das ist zunächst nicht falsch. Zu überlegen, wo in dem doch eher begrenzten Stadtgebiet noch Platz für neuen Wohnraum ist, ist richtig. Doch zu welchem Preis soll Wohnraum entstehen? Wir wissen, dass Frankfurt eine Stadt mit viel Grün ist. Parkanlagen in der Innenstadt, der großzügige Grüngürtel, Natur- und Landschaftsschutzgebiete und schließlich vor allem in den Randgebieten viele landwirtschaftliche Flächen. Da ist die relativ kleine Gemarkung der Stadt bald aufgebraucht, denn im Grunde verbieten Gesetze und Bestimmungen auf vielen der genannten Flächen eine Bebauung. Nun hat das Planungsdezernat und an seiner Spitze der Stadtrat, Mike Josef, ja bereits angekündigt, dass man solche Restriktionen wohl auch einmal auflösen muss, um dem Zuzug in Zukunft Herr zu werden.

Wenn man sich jedoch die nun vorgestellte Liste einmal genauer anschaut, fällt doch sehr stark auf, wohin die Reise gehen soll. Erneut und das wundert keinen der Beobachter der Frankfurter Kommunalpolitik, möchte der Planungsdezernent in Richtung Norden bauen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat hierfür eine gute Graphik erstellt:

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27. April 2017

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27. April 2017

Was fällt uns hierbei auf? Natürlich, dass zum Einen nach wie vor der Pfingstberg hier enthalten ist. Es scheint die Stadtplaner nicht zu interessieren, dass es hier große Proteste in der ansässigen Bevölkerung gibt. Dass dies dem sozialdemokratischen Oberbürgermeister und dem sozialdemokratischen Planungsdezernenten egal ist, das wissen wir. Die beiden Herren haben sich noch nie dafür interessiert, dass die Bürgerinnen und Bürger im Frankfurter Norden eine Trabantenstadt auf den landwirtschaftlichen Flächen vor ihrer Haustür ablehnen. Soviel zu viel gepriesenen Bürgernähe. Erstaunlich ist aber, dass ein Gebiet nördlich der bisherigen Bebauung Nieder-Erlenbachs auch auf der Liste ist, nämlich die landwirtschaftlich genutzten Flächen zwischen Nieder-Erlenbach und Dortelweil an der B3. Schauen wir uns das einmal genauer an. Vom Stadtteil zu diesen Flächen sind es rund 1,5 Kilometer, je nach Standort im Stadtteil. Drei Aussiedlerhöfe liegen zwischen Stadtteil und diesem Gebiet, direkt anschließend ist die Bundestraße 3 und in nicht allzu weiter Entfernung stehen vier Windräder auf Karbener Gemarkung, mindestens drei weitere auf Frankfurter Gemarkung sind im Grunde Beschlussfassung, scheitern derzeit aber noch an sogenannten Funkfeuern der Deutschen Flugsicherung. Wie wir wissen, können auch Windkraftanlagen Einfluss auf Bebauungen haben, denn auch hier herrschen beispielweise Abstandsregelungen.

Schaut man sich die rot schraffierten Flächen im Frankfurter Norden einmal an, so fällt doch sehr stark auf, dass vor allem Nieder-Erlenbach hier von den aufgelisteten Gebieten sehr stark beansprucht wäre. Im Grunde fielen hier mindestens Ein Drittel der bislang landwirtschaftlich genutzten Flächen weg. Was das für die Betriebe bedeutet, die diese Flächen derzeit bewirtschaften, darüber braucht man wohl nicht zu diskutieren. Aber es wäre ja auch ein Einschnitt in die Natur, in die Artenvielfalt und würde die Versiegelung wertvollsten Bodens bedeuten. Nicht zu vergessen, dass diese Flächen auch einen enormen Wert für die Naherholung haben. Ich glaube einfach nach wie vor nicht, dass der Weisheit letzter Schluss ist, Gebiete zu bebauen, die abseits jeglicher bestehender Bebauung liegen, für sehr viel Geld erschlossen werden müssten und im Grunde eben nicht die Fortsetzung einer gesunden, nachhaltigen und natürlichen Entwicklung der bestehenden Gebiete wären, sondern Produkt von Planungen am Reißbrett.

Ich verstehe in dieser Diskussion nach wie vor nicht, warum man zu planungspolitischen Maßnahmen des vergangenen Jahrhunderts greifen möchte, anstatt sich einer innovativeren Planungspolitik hinzugeben. Umwandlung von ehemaligen Industrie- und Gewerbeflächen zu Wohnraum, Stichwort „Urbane Mischgebiete“ wäre eine Alternative. Die Änderung bestehende Bebauungspläne, sodass in Innenbereichen beispielsweise die Geschosszahl erhöht werden könnte. Mit Innenbereichen sind hier explizit auch die Randstadtteile gemeint, aber eben die Bereiche, die dort bereits bebaut sind. Es geht hierbei nicht um die Aufstockung auf eine zweistellige Geschosszahl, sondern um die gesunde und im Einklang mit der umliegenden Bebauung ausgerichtete Aufstockung. Man macht es sich zu einfach, Freiflächen für die Bebauung nutzen zu wollen, das gilt ja nicht nur für den Frankfurter Norden, das gilt auch für den Frankfurter Westen und den Frankfurter Osten, wo dies ja bereits praktiziert wird. Man verschließt bewusst die Augen vor neuen, modernen Möglichkeiten der Stadtentwicklung. Auch die immer wieder ausgesprochenen Parolen vom Bauen mit der Region, die gerade der Oberbürgermeister gebetsmühlenartig von sich gibt, sind ja nicht mehr als Lippenbekenntnisse. Fragt man in die Region hinein, dann ist nie mehr als von warmen Worten die Rede. Wir brauchen eine Idee davon, wie wir 2050 leben möchten und nicht, wie wir alles zuklatschen, was heute noch frei ist.

Genau in diesem Punkt unterscheiden sich eben die Vorstellungen von sozialdemokratischen oder linken Stadtplanungspolitkern und von konservativen, christdemokratischen Stadtentwicklungspolitiker. Der Unterschied liegt darin, dass die einen planen möchten und die anderen der Entwicklung Platz geben. Eine Planung am Reißbrett, eine Planung mit Nadeln auf dem Stadtplan kennt im Grunde keine Grenzen, eine gesunde und nachhaltige Entwicklung setzt sich ihre Grenzen selbst und auch wenn heute viele von grenzenlosen Möglichkeiten und Gesellschaften ohne Grenzen und Schranken sprechen, gibt es in gewissen Politikfeldern eben doch solche Grenzen, die dem Menschen nicht schaden, im Gegenteil, sie nutzen ihm.

Ich persönlich kann keiner Politik der sturen Versiegelung hochwertiger Böden und der Installierung von Trabantenstädten zustimmen, wenn diese die Bedürfnisse vor Ort außer acht lässt. Nieder-Erlenbach wird möglicherweise in diesem Jahr, spätestens aber im nächsten Jahr ein neues Wohngebiet mit über 100 Wohneinheiten bekommen. Hier entstehen Einfamilienhäuser. Wir reden also von mindestens 350 Neubürgern. Ein weiteres ist schon lang in Planung und soll nun wohl auch zu einem Vorranggebiet erklärt werden, hier werden noch einmal mindestens 650 Neubürger einziehen, denn hier entstehen neben Einfamilienhäuser auch Geschosswohnungen, die sich vor allem an Bezieher geringer und mittlerer Einkommen richten und das ist nicht nur gut, sondern auch richtig. Mindestens 1000 neue Bürger bedeuten für einen der kleinsten Stadtteile Frankfurts einen enormen Zuwachs und auch wenn viele das nicht hören wollen, Nieder-Erlenbach ist dann seit der Eingemeindung nach Frankfurt um über 100 Prozent gewachsen und damit in relativen Zahlen schneller und mehr als die gesamte Stadt in diesem Zeitraum. Auch das gehört zur Wahrheit und trifft so auch auf die anderen Stadtteile im Frankfurter Norden zu. Diesen Bebauungen haben wir im Ortsbeirat und im Stadtteil immer zugestimmt, wir haben sie positiv begleitet, wie andere neue Wohngebiete zuvor auch. Diese Bebauungen werden aber eben auch in den Charakter vor Ort integriert, nehmen die Eigenheiten und Spezifika des Stadtteils auf und setzen sie um. Das ist dann eben gesunde und nachhaltige Entwicklung und keine sture Planerei.

Auf eines darf man gespannt sein und zwar, ob die Planer und natürlich auch der Dezernent diese nun ausgefertigte Liste im Ortsbeirat vorstellen und begründen oder ob es erneut Vorschläge über die Köpfe der Bürger vor Ort hinweg geben wird. Es heißt, der Magistrat solle nun eine Prioritätenliste aus den vorgelegten Flächen und Gebieten erarbeiten. Es wäre gut und nützlich, wenn man hier mit den Leuten vor Ort vorab sprechen würde.

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